Skip to content

Ist ein Holzkohlegrill nachhaltiger als ein Elektro- oder Gasgrill?

Fast 250.000 Tonnen Holzkohle werden jährlich in Deutschland verbraucht, überwiegend zum Grillen. Dabei werden viele CO2-Emissionen produziert. Brauchen wir auch beim Grillen einen Kohleausstieg?

Problematische Holzkohle

Was die Beliebtheit angeht, hat der Holzkohlegrill die Nase deutlich vorn. Rund 67 Prozent der Deutschen grillen am liebsten über Kohle, nur knapp 19 Prozent nutzen einen Elektrogrill, 11 Prozent brutzeln mit Gas. Auf viele Menschen wirkt das Grillen mit Holzkohle zudem umweltfreundlich, wird hier doch lediglich Holz, ein nachwachsender Rohstoff, verbrannt. Gerade dieses Holz stellt aber eine große Belastung für das Klima dar. Rund 85 Prozent der hierzulande verkauften Holzkohle ist importiert und stammt zum Teil aus Tropenwäldern und illegalem Raubbau in Schutzgebieten – die Folge: Immer mehr tropische Wälder werden unwiederbringlich vernichtet. Außerdem legt Holzkohle aus Ländern wie Paraguay oder Nigeria einen weiten Weg zurück, bis sie auf unserem Grill landet, was ihre Klimabilanz weiter verschlechtert. Auch Holzimporte aus Europa, zum Beispiel aus der Ukraine, sind oft problematisch. Korruption und illegale Abholzung sind dort keine Seltenheit und bedrohen letztlich den Weiterbestand europäischer Urwälder. Hinzu kommt, dass die Holzkohle auch beim eigentlichen Grillvorgang CO2 freigibt.

Siegel und alternative Produkte für Grillkohle

Wer des Geschmacks wegen trotzdem über Holz grillen möchte, kann beim Kauf der Grillkohle auf verschiedene Siegel achten. Das Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC) ist ein internationales Gütesiegel für Holzprodukte aus sozialer und ökologischer Waldbewirtschaftung. Die Bewertung erfolgt anhand überprüfbarer sozialer, ökologischer und ökonomischer Kriterien, durch die illegale Rodungen und Waldmissbrauch vermieden werden sollen. Das Naturland-Siegel steht für schonend produzierte Holzprodukte. Auch hier gelten strenge ökologische Kriterien bezüglich Holzherkunft und Verarbeitung. Einen guten Überblick zum Thema gibt eine aktuelle Marktrecherche des WWF (2018). Mittlerweile gibt es auch nachhaltige Alternativen zur Grillkohle.

  • Briketts aus Olivenkernen – ein Abfallprodukt der Olivenöl-Produktion – kosten zwar etwas mehr als die handelsübliche Holzkohle. Dafür sind sie nachhaltiger und brennen länger.
  • Kokos-Briketts aus Kokosschalen haben sehr gute Grilleigenschaften. Sie stammen allerdings zumeist aus den Tropen und müssen nach Europa verschifft werden, was sich negativ auf ihre CO2-Bilanz auswirkt.
  • Kohle aus Bambus hat den Vorteil, dass Bambus ein sehr schnell nachwachsender Rohstoff ist, der bis zu dreimal so lange brennt wie Erzeugnisse aus Holz. Worauf Sie beim Kauf von Bambusprodukten achten können, lesen Sie hier.

Tipp: Setzen Sie auch bei den Grillanzündern auf nachhaltige Produkte, zum Beispiel auf natürliche Anzünder aus Holzwolle mit FSC-Zertifikat. Feine Holzspäne oder Reisig bringen den Grill ebenfalls in Schwung und verursachen keine schädlichen Gase beim Verbrennen.

Alternative Elektro- oder Gasgrill?

Elektrogrills schneiden mit Blick auf die Klimabilanz etwas besser ab als die Holzkohle-Variante – insbesondere, wenn sie mit Ökostrom betrieben werden. Hochwertige Produkte mit Deckel verbrauchen dabei grundsätzlich am wenigsten Energie. Gasgeräte sind ebenfalls klimaverträglicher als der Holzkohle-Grill, auch wenn sie sich aktuell nicht mit Biogas betreiben lassen. Sowohl der elektrische als auch der Gas-Grill lassen sich gut regulieren sowie leicht an- und ausschalten, was den Energieverbrauch verringert. Zudem vermeidet man Feinstaub und Ruß, die bei der Verbrennung von Kohle freigesetzt werden und gesundheits- sowie umweltschädlich sein können.

Wie eine Studie des TÜV-Rheinland zeigt, hat die Grillart (Kohle, Elektro oder Gas) allerdings nur eine sehr geringe Auswirkung auf die Gesamtbilanz. Pro Grillabend entstehen durchschnittlich je nach Grillart zwischen 17,5 und 18 Kilogramm CO2-Äquivalente, was in etwa einer 120-Kilometer-Autofahrt entspricht. Die Differenz ist also minimal.

Das Grillgut macht den Unterschied

Letztlich entscheidend ist für die Ökobilanz nicht die Art des Grills, sondern vielmehr die Auswahl des Grillguts: Circa 95 Prozent der CO2-Bilanz eines Barbecues entfallen auf das, was auf dem Rost liegt, so die TÜV-Studie . Tierische Produkte sind über ihren gesamten Lebensweg – von Herstellung und Transport bis hin zu Verkauf und Verwertung – emissionsintensiver als pflanzliche. Saisonales Bio-Gemüse aus der Region hat die niedrigste CO2-Belastung, Steaks aus Rindfleisch und Grillkäse aus Kuhmilch sind die größten „Klimasünder“.

Fazit: Am klimafreundlichsten grillen Sie auf einem mit Ökostrom betriebenem Elektrogrill, mit saisonalem Gemüse aus der Region und wenig oder keinem Fleisch.